Pressemeldungen
Freitag, 24. September 2010 um 20:07
Menschenhandel
Grenzenloser Ausbeutung mit neuen Ansätzen begegnenGerade erst wurde in St. Georg ein Fall von Menschenhandel aufgedeckt. Eine slowakische Familie lockte junge Frauen mit dem Versprechen auf einen Job nach Hamburg. Hier angekommen wurden ihnen die Pässe abgenommen. Der versprochene Job erwies sich als Prostitution. Mit Druck und Erpressung wurden die Frauen anschließend gezwungen, weiterzumachen. Das Versprechen
auf eine bessere Zukunft wird aber auch genutzt, um Menschen in anderen Tätigkeitsfeldern auszubeuten: In Gastronomie, Reinigung, Haushalt, Pflege, Bau, Landwirtschaft. Die Opfer, meist Frauen aber auch Männer, leben und arbeiten in einer Grauzone aus Angst, Erpressung und Furcht von Konsequenzen für sich selbst oder die Familie im Herkunftsort. Oft werden sie in erbärmlichen Unterkünften isoliert. Bei einer Podiums- und Publikumsdiskussion in der Werkstatt 3 diskutierten PolitikerInnen und Fachfrauen, wie über stärkere Menschenrechts- und Opferschutzorientierung den Betroffenen besser geholfen und die Täter gefasst und verurteilt werden können. Der Schlüssel zum Nachweis des Menschenhandels liegt in der Aussagebereitschaft der Opfer. Hamburg hat seit Ende der 90 iger Jahre mit der Koordinierungsstelle gegen Frauenhandel (KOOFRA) eine eigene Einrichtung für betroffene Frauen.
Gabi Dobusch (SPD), die die Hamburgische Bürgerschaft in einer Arbeitsgruppe der Ostseeparlamentarierkonferenz zum Thema Menschenhandel vertritt und gleichstellungspolitische Sprecherin der SPD Bürgerschaftsfraktion ist, sagte:
„Wir müssen Betroffene von Menschenhandel wieder in die Lage versetzen, ein eigenständiges, selbstbestimmtes Leben zu führen – hier oder im Herkunftsland. Dazu müssen sie in die Lage versetzt werden, ihre Rechte, in Anspruch zu nehmen und durchzusetzen, z.B. wenn es um ausstehenden Lohn geht. Wir wollen einen ganzheitlichen Ansatz, der die Menschenrechte in den Mittelpunkt rückt.“
Knut Fleckenstein (SPD), der für Hamburg im europäischen Parlament sitzt, erklärte:
„Beim Menschenhandel stand lange die illegale Einreise über die Grenzen der EU im Vordergrund. Inzwischen haben wir es aber auch verstärkt mit einem inner-europäischen Problem zu tun. Dies erfordert neue Ansätze und stärkeres Zugehen auf die Betroffenen. Auch ein Mindestlohn würde den Nachweis des ausbeuterischen Menschenhandels erleichtern.“
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